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Portrait

Reisen: die Grunderfahrung

Als Kind lernte ich, dass Reisen irrwitzige logistische Meisterleistungen erfordern.

Tage vor dem Reisebeginn kämpfte sich Mutter durch Berge von Textilien ("wo sind denn die Bademäntel? Hast du die Bademäntel schon eingepackt?") und überaus nützlichen Utensilien für die Reise (Gummistiefel, Taschenlampen, Gesellschaftsspiele, Küchenzubehör, Geschirr, Reiseapotheke, Desinfektionsmittel, haltbare Lebensmittel, die wichtigsten Papiere für alle Fälle...).

Ein Triathlon der Verpackungskunst musste gewonnen werden: Suchen - kleinfalten - Verstauen. Im ganzen Haus stapelten sich Koffer. Vater pendelte zwischen dem Heim und dem nächsten Bahnhof, von wo er Gepäckstücke containerweise vorab verschickte. Dennoch war der Kleinwagen am Abreisetag mit einer Kernfamilie und Gebirgen von Koffern und Taschen auf dem Dachgepäckträger (gegen eventuellen Regen sorgsam geschützt) bedenklich überladen.

Tags zuvor bereite Mutter den Reiseproviant vor. Sie briet Koteletts und rührte Nudelsalat, derweil Vater sich über diverse Atlanten beugte und die Reiseroute plante. Wir Kinder mussten zeitig ins Bett, da die Fahrt früh begann, - vor der gefürchteten Rushhour in der westfälischen Provinz.

Die Fahrt war übrigens kurz nach der Rushhour auch schon wieder vorbei. - Wir fuhren etwa 150 Kilometer zu einem abgeschiedenen Ferienhaus ins Sauerland, wo 14 Tage Stumpfsinn zwischen Fichten folgten.

Das Land der Tausend Berge im Süden Westfalens ist erwiesenermaßen kein Übertragungsgebiet für das Travellervirus.

Nein, vom Reisen hielt ich absolut überhaupt nichts.

Erste Fernreise

Nach Asien wollte ich nicht. Aber meine fernwehkranke Freundin überredete mich vor Jahren, sie in Indonesien auf Bali zu besuchen. Sie hatte gute Argumente: lange blonde Haare, noch längere Beine usw.

Sie ist inzwischen aus meinem Leben verschwunden, aber das Travellervirus ist noch da. Es fiel von der ersten Palme, direkt hinter dem Flughafen auf Bali, auf mich herab, bohrte sich geradewegs in Herz und Hirn und sitzt seitdem dort.

Medikamente helfen nicht.

Flugtickets helfen.

War inzwischen in Indonesien, Malaysia, Kambodscha, Indien, Laos und Thailand. Thailand ist mein Favorit; nirgends hatte ich bessere Zeiten, nirgends lernte ich interessantere Menschen kennen (außer vielleicht in Dortmund oder Bochum; aber dorthin reise ich nicht).

Easy travelling

Wie einfach: gerade so viele Sachen einpacken wie für einen Wochenendbesuch bei meinen Eltern.

Durch das Land treiben lassen. "Kanchana Buri ist geil", erzählt mir ein Informatiker aus Delmenhorst beim Bier in Bangkok und schwärmt von diesem Ort. Am nächsten Tag fahre ich nach Kanchana.
Eine Empfehlung verschlägt mich hierhin, eine andere dorthin. Mal gefällt es mir, mal nicht. Dann fahre ich eben weiter. Inlandsreisen sind in Thailand günstig und simpel. Du willst irgendwo hin? Spätestens am übernächsten Tag bist du dort. Natürlich findest du immer sofort eine Unterkunft.

Reisen in Thailand sind vollkommen unkompliziert. Manchmal klicke ich vor einer Reise durchs Netz, um ein paar Reiseziele einzugrenzen. Das dient der Vorfreude, ist aber keine Notwendigkeit. Alles geht vor Ort. Wie angenehm, eben nichts minutiös planen zu müssen. Daheim muss ich genug Unfug organisieren. Im Urlaub will ich das nicht. In Thailand muss ich das auch nicht.

Diese Internetseite: Making of

Die Frage, wie Internetseiten zusammenbastelt werden, lässt mir keine Ruhe. Ausprobieren. Als Also tippe ich irgendwann an einem grauen Novembersonntag vor etlichen Jahren schnell ein paar Zeilen zum Rucksackreisen in die Textverarbeitung, bastele ein matschiges Foto hinein, konvertiere es in HTML  - und bin ernüchtert: ist langweilig und sieht scheiße aus, nächster Versuch...

Inzwischen habe ich ungezählte Stunden mit diesen inzwischen 30 MB Website, über 100 Einzelseiten und über 3.007 Dateien verbracht (ich glaube die Zahlen selbst nicht, sie stimmen aber).

Habe eine Menge über Webdesign gelernt, etliche Editoren ausprobiert, Megabytes von Grafiken gebastelt, gescannt und gelöscht, Layouts ent- und verworfen, Links gesucht und getestet, über verschwundene Sicherungskopien geflucht und mich in den fiktiven Surfer hineinversetzt...
...und Nächte vor dem PC verbracht, in denen ich auch hätte schlummern und von Siam und Shangri-La träumen können...

Manchmal will ich die Seite abschalten. Eigentlich jedes halbe Jahr einmal. Vor Kurzem noch, als die Reisepartnersuche von Viagrareklame zu gespamt wurde. Inzwischen ist ein Spamschutz eingebaut. Zwei Nächte Gewurschtel in drögen PHP Zeilen.

Aber habe ich schon den rätselhaften Göttern des Fernen Osten berichtet? Die schicken in solchen Situationen stets eine eMail. Das heißt, eigentlich schicken Claus oder Antje oder Meike eine eMail. Aber die Götter steuern das, ganz bestimmt. Und da steht dann nur so schmeichelhaftes Zeug über diese Seite drin und dann bin ich ganz gerührt und sitze dann doch wieder vor dem Editor...

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Kerala im Süden von Indien
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