Garküche

Essen und Trinken in Bangkok

Aus dem Reisetagebuch: „Die Hand weigert sich, den Löffel zum Mund zu führen. Greift statt dessen zum Bier. Der erste Schluck erreicht den Magen nicht. Ist bereits auf der Zungenspitze vollkommen verdampft. Höllenfeuer im Gaumen, im Rachen, im gesamten Körper. Der Organismus schaltet auf Abwehr: Schweißausbrüche, motorische Verweigerung („nein“, meldet die Hand trotzig, „ich führe diesen Löffel jetzt nicht zum Mund“).

Scharfe Sache

„Red Curry – hot – krap“, mit todesverachtender Gelassenheit und der lustvollen Aussicht auf einen regelrecht erotischen Essgenuss bestellt. Das genaue Gegenteil von „Fast-Food“. Essen behutsam, mit Ehrfurcht und Respekt vor jedem Bissen.

Ein Löffelchen roten Pulvers erweitert das Bewusstsein, sofern man – das ist der Trick – minimalste Häppchen und Schlückchen in maximaler Zeit zu sich nimmt.“ (Prakorb’s House, Bangkok).

Internationale Küche im Khao-San-Viertel

Israelisch

Im Khao-San-Viertel in Bangkok locken mehrere Israelische Restaurants mit Falafel, Kichererbsencreme und Pommes, sowie mit – kein Schreibfehler – Shnizzel und Shawara. Vor dem größten Laden, dem Chabad House in der Soi Rambutree, stehen private Wachleute. Die billigeren Läden neben der alten Tankstelle musst du selbst gegen die Hamas oder Hisbollah verteidigen.

Indisch

Indische Restaurants auf der Khao-San- und Rambutree Road gehören i.d.R. zu einer Indischen Maßschneiderei. Vor allem die vegetarischen Gerichte sind ausgesprochen gut und bringen Abwechslung in den Speiseplan. Allerdings sind die Portionen eher klein. Deshalb Vorspeise und reichlich frisches Brot („Roti“, „Chiapati“ usw.) dazu bestellen. Hauptgerichte ab 40 Baht (mehrere Beilagen zum Sattwerden einplanen).

Amerikanisch

Natürlich kannst du auch Pizza und Pasta genießen, aber die auffälligsten Ausländer im Khao-San-Viertel sind – wen wundert’s – Amis: McD, der Hühnermörder aus Kentucky, der King, Swennsons und natürlich Starbucks. Letzterer residiert in der Spelunkengasse nach eigenem Bekunden in seiner schönsten Filiale weltweit. (siehe unten)

Deutsch („satt ab 19 Baht“)

Deutsche Restaurants habe ich im KSR-Viertel noch nicht erspäht; allerdings muss niemand in Bangkok auf Deutsche Küchenkunst verzichten. Currywurst gibt es hier

noch was?

Gerade überlege ich, ob ich noch eine Nationalität übersehen habe … habe ich: Ganz nebenbei kannst du auch lecker Thailändisch essen gehen!

Garküchen in Bangkok

Unzählige Garküchen und Wellblechrestaurants in Bangkok, – du stolperst drüber; niemand muss Hamburger, Kebap, Baguettes und all das Western-Food in Banglampoo essen.

Geh z.B. in der Khao-San bis zum Ende ohne Police Station, dann rechts, über die 8-spurige Straße, weiter bis zum ersten Kanal, dort rechts halten. Abends zieht sich am Kanal entlang eine Armada von Garküchen. Trotz der Nähe zum Touriviertel fast nur Thais dort. Lass dich nicht durch verbeultes Blechbesteck und buntes, wackeliges Plastikmobiliar abschrecken. Hier gibt es mitunter Weltklasse-Cuisine, zumindest aber ein solides Nudel- oder Reisgericht für nicht mal einen Euro.

Die Warnungen einiger Reiseführer wegen der Hygiene („nur abgekocht und verpackt, bla, bla, bla…“) sind übertrieben und hysterisch.

Erstens halten Thais selbst viel von Sauberkeit, zweitens habe ich mit vielen Farangs an Garküchen gegessen. Mir ist kein Fall bekannt, dass jemand damit je Probleme hatte.

Iss, was gut aussieht und gut riecht (und ertrage eine beschleunigte Verdauung wie ein Mann – oder eine Frau). – Guten Appetit!

Kneipen in Banglampoo

Im Rucksacktouristenviertel Banglampoo findet ihr mehrere 1.000 Kneipen. Manche sind gut, manche eine Zumutung. Vergleiche die Preise auf der Khao-San Road! Ökonomisch nicht logisch: gerade die vollsten Kneipen sind die teuersten! Abends auf der Road draußen sitzen kostet Aufpreis. Üppige Preisunterschiede. Die Preise für ein Bier liegen zwischen 50 und 140 Baht!

Speisekarten („Menues“) auf Thai und Englisch. Einige gute und preiswerte Küchen, – keine wirklichen Restaurants – nur abends, in der Soi Rambutree (die erste nördliche Parallelstraße der Khao-San). Plastikstühle und -tische auf der Straße, wo auch gekocht wird. Gute Reisgerichte ab 40 Baht.

Backpackerkneipensterben

Bis 2012 empfahl ich hier noch „Prakorbs House“ als die beste gute alte Backpackerkneipe auf der Khao San Road.

Doch wie viele „traditionelle“ (das heißt vor allem: schlicht, einfach, preiswert und gut) Angebote für Rucksackträger ist auch dieser Laden nun Geschichte.

Wo mehr als ein Jahrzehnt das beste Grüne Curry Bangkoks serviert wurde, wird nun geknetet. Das Lokal beherbergt 2014 eine Massagebude. Das scheint im Viertel derzeit das bessere Geschäft als authentische Thaiküche zu günstigen Preisen

Marketing

Ein Girlie im engen „San-Miguel“ geht von Tisch zu Tisch und beschwatzt Kunden, Spanisches Light-Bier zu bestellen: „rich taste, less alcohol,“ oder sowas.

Die Kampagne floppt. Jedenfalls in unserer Kneipe, wo wir Thailändisches Beer Chang bestellen, das mit „rich taste und vor allem 6,4% rich alcohol“ punktet.

Beim Starbucks, Khao San Road (Seitenstraße „Sunset Street“)

Wirklich unoriginell, seinen Kaffee bei Starbucks zu schlürfen, das geht schließlich auch in Oberhausen. Aber in der KSR ist das Gebäude besonders charmant: wenn gleich Thailand nie kolonialisiert war, ist das Gebäude im Kolonialstil liebevoll renoviert. Starbucks selbst preist den Laden als eine seiner schönsten Filialen weltweit.

Ich mag dem nicht widersprechen, trinke köstliches süßes, hellbraunes Zeug und beobachte Mr. Wang, den undurchsichtigen Chinesischen Opiumhändler, der hier diskrete Geschäfte abwickelt. Ich sehe Sir Greysbutton, den Kautschukfarmer, der schwerfällig und schwitzend mit Tropenhelm und Leinenanzug hereinstampft. Mehr und mehr koloniale Klischees bevölkern den Club, bis mich der vertraute Windows Startsound ins Hier und Jetzt zurück holt. Am Nebentisch fährt ein Mädchen ihren Laptop hoch.

Der Laden ist nicht nur hübsch, er funkt auch thaiminator.de per W-LAN auf die Rechner.

Tipp für echte Exzentriker

Das vermutlich einzige Englische Spezialitäten Restaurant außerhalb des Commonwealth serviert in Bangkok Gerichte wie „Pork & Mash“ oder „Meat & Peas“. Auch Dosenspaghetti auf Toast erfreuen dort den Gaumen. Zu finden neben dem Silom Center an der gleichnamigen Road. Übrigens unweit des Rotlichtviertels. Sollte uns das zu denken geben? Thaiminator meint: ja.