Fort Cochin: Ganz anders

Die Klischees besagen, dass Indien eine kritische Masse
überkochenden Mülls, Drecks und Wahnsinns ist. Wer auf dem
Airport von Kochi landet und ein Taxi in die Stadt nimmt,
findet das umgehend bestätigt:
Der Verkehr ist ein Kampf, in dem jeder gegen jeden um
ein paar Meter löchrigen Asphalt kämpft. Rechts und links
der Straßen: Müll, zerlumpte Menschen und überdimensionierte
Werbeplakate an rostigen Gerüsten.
Die Straße überquert Kanäle, in denen tote Ziegen
verwesen. Dicke Schwaden schwarzen Smogs verkleistern Lungen
und Augen.
Wir hatten es befürchtet. - Aber heimlich gehofft, es sei
anders.
Unser Taxi hupt sich um eine Ecke und hat Indien
unvermittelt verlassen. Und dann ist es ganz anders.
Wir sind im Nordwesten von Fort Cochin angelangt. Ein
Ort, den Tourismusstrategen nicht besser hätten erdenken
können. Ein wundervoller Ort, ohne Frage. Aber nicht
wirklich Indien.
Mit Traveller Schecks und Kreditkarte erkauft man sich
Zugang zu einem kleinen Paradies. Das schirmt sich gegen das
umgebende Indien so beharrlich ab wie das Dorf von Asterix
gegen die Römer.
Portugiesischen Kolonialherren haben das Viertel geprägt.
Die üppig St. Frances Kirche könnte auch in Südeuropa
stehen. - Ebenso passen etliche weiß getünchte Häuser in der
Umgebung stilistisch eher ans Mittelmeer als an den
Indischen Ozean. Auch die Briten haben ihre Marken
hinterlassen: Einige Straßen sehen aus wie in Englischen
Dörfern. Halbhohe Häuser mit Walmdach und Englischer
Fensterteilung könnten auch in Cornwall oder Essex stehen.
Die schönsten Ecken hat sich der Tourismus unter den
Nagel gerissen. Preiswerte Unterkünfte, günstige Restaurants
und Reisebüros machen Rucksacktouristen das Leben leicht.
Wegen der Lage am Meer fährt kein Durchgangsverkehr durch
das Touristenviertel, weshalb es dort erstaunlich ruhig ist.
Fort Cochin ist somit ein durch und durch angenehmer Ort.
- Nur eben nicht Indien.
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Fort Cochin kurz & knapp
- Entspanntes Touristenviertel im Nordwesten von Cochin.
- Zur Orientierung: die meisten Kneipen, Cafes und
Unterkünfte findest du zwischen Rose Street und Princess Street, Nahe der St. Frances Church.
- Kochin heißt auch Kochi oder Cochin oder Cochi. Allerlei Schreibweisen werden benutzt.
- ca. 1,5 bis 2 Stunden mit dem Taxi vom
Internationalen Flughafen entfernt.
- Fort Cochin liegt am Nordwestend einer Halbinsel vor
dem Festland und ist Teil von Cochin bzw. Kochi, einer
Stadt von ca. 600.000 Einwohnern.
- Cochin bzw. Kochi bildet mit Ernakulam im
gleichnamigen Distrikt und Aluva ein Stadtgebilde mit ca. 1,5 Mio.
Menschen.
- Unterkünfte in Fort Cochin ab ca. 450 Rupien.
- Einige Restaurants und Kneipen mit westlicher und
Indischer Küche.
- Reisebüros im Viertel vermitteln Touren überall hin.
- Geldwechsler, Buchhändler (auch Deutsch) und Läden
bieten kompletten Komfort.
Sehenswürdig
Das gesamte Viertel ist unbedingt sehenswürdig. Übrigens
auch die eher Indisch geprägt Umgebung.
Insel Vipeen
nördlich von Fort Kochin. Ideal für einen Tagesausflug. Mit der Fähre am Nordufer übersetzen (wenige Minuten Fahrzeit) und dort ein Tuk-Tuk zum Strand nehmen (ca. 20 km von der Fähre / 45 Minuten Fahrt). Der Strand ist lang, aber etwas langweilig. Das Restaurant ist gut.
Chinesische Fischernetze
Mechaniker und Studierende des Maschinenbaus erfreuen sich an der ausgeklügelten Technik der Netze. Alle anderen erfreut der pitoresken Anblick. - Insbesondere beim Sonnenuntergang. - Nicht zu verfehlen am nördlichen Ufer von Fort Kochin.
Cochin Beach
Nein, nicht wirklich sehenswürdig. Der dreckige, kleine
Strand ist zwar ein nettes Ziel für einen Spaziergang, lädt
jedoch nicht zu einem längeren Aufenthalt ein.
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