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hier: Thaiminator-Startseite / Kambodscha / Das DingDas Ding mit dem Sumpf:
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Zwischen Thailand und Angkor Wat erstreckt sich über 150 Kilometer das Ding. Manche nennen es leichtfertig „Straße“, doch das ist falsch, denn Straßen definieren sich dadurch, dass man über sie fahren kann. Doch über das Ding kann man nicht fahren. Über das Ding kann man schlittern, rutschen, driften, springen, holpern, hoppeln. Asphaltiert ist das Ding nur auf kurzen Abschnitten. Es besteht wesentlich aus Dreck und Schlaglöchern. Ach was, keine Schlaglöcher, sondern Täler, in denen kleine Seen stehen. Taxifahrer umkurven die im Schritttempo, um nicht abzusaufen. Nach einem Regenguss überzieht eine Schlammschicht aus klebrig-rotem Laterit das Ding.
Bei Trockenheit dauert die Tortour von der Thailändischen Grenze nach Siem Reap etwa 3 Stunden. Bei Nässe kommt man nach 6 Stunden an. Wenn man ankommt. Manche Fahrzeuge bleiben einfach stehen. Manchmal versperrt ein umgekippter Lastwagen den Weg. Allein die tapfern Camry-Taxis rutschen irgendwie durch.
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Die Taxis kutschieren vornehmlich Touristen nach Siem Reap, der Stadt unweit der weltberühmten Tempelanlagen von Angkor Wat. Bis zur Grenze gleiten die Reisenden in komfortablen Bussen über glatte und breite Thailändische Highways. Die Grenze selbst wird zu Fuß überquert. Danach steigen Traveller in die Taxis. Große Reisebusse taugen auf dem Ding ohnehin allenfalls als Schikane für unterforderte Taxipiloten.
Zudem machen offenbar die Formalitäten den Kraftfahrzeugtransfer kompliziert. Daher erledigen Schieber den kleinen Grenzverkehr mit Holzkarren. Ganze Flotten skurriler Karren tauschen Waren zwischen Thailand und Kambodscha aus. Auf den größeren trohnt eine Art Kutscher, der den Schiebern Anweisungen gibt und überdies mit den Händen kurbelt. Mit den Füßen können die Kutscher das nicht, denn die haben sie nicht. „Landminen“ raunen wissende Touristen, die den bizarren Warenaustausch gebannt und erschüttert bestaunen. Eine Szenerie wie aus einer anderen Welt und einer fernen Zeit.
In Bangkok hatte ich eine Packagetour für 4 Tage nach Angkor Wat und zurück gebucht. Der Grenzübertritt läuft problemlos. Schlepper der Reisegesellschaften schleusen ihre Kunden sicher von einem Land und Fahrzeug ins andere.
Bob Geldorf hatte mal gesagt, Thailand sei ein reiches Land und brauche keine internationale Hilfe. Auf den ersten Metern Kambodscha versteht man das. Nun sind wir in einem wirklich armen Land, hinter dem Thailand wie ein Wirtschaftsparadies erstrahlt. Ein matschiger Platz empfängt uns. Müll liegt herum, verbeulte Fahrzeuge eiern um Schlaglöcher, zerlumpte Kinder betteln oder wollen etwas verkaufen: „one Dollar, one Dollar“.
Wohl fühlen geht anders.
Touristen stecken nach kurzer Wartezeit in einem Camry und ohne Vorwarnung in einem Abenteuer. Zunächst glaubst du, es seien nur ein paar Kilometer, dann finge die geteerte Autobahn an. Doch es kommt keine Autobahn, kein Highway, nicht einmal eine Straße.
Der Wagen holpert und springt. Metall knallt auf Metall. Passagiere werden herum geschleudert und bekommen Schläge. Aber nur bei Trockenheit. Bei Nässe rutscht der Wagen. Fahrer spielen mal behutsam, mal hektisch mit Lenkung, Kupplung, Bremse und Gas, um die Fuhre unter Kontrolle zu behalten und sich zudem auch noch vorwärts zu bewegen. Räder drehen durch oder gar nicht.
Nein, wohl fühlen geht ganz anders.
Gelegentlich stoppt der Fahrer, um die Scheiben zu wischen. Wenige Kilometer weiter sind sie wieder mit Schlamm bespritzt und erneut undurchsichtig.
Optimistisch wurde einst mit dem Bau von Brücken begonnen. Vollendet wurde der Bau aber nicht. Daher steht alle paar Kilometer das Gerippe einer Brücke im Weg. Das muss umfahren oder umrutscht werden. Der Passagier neben mir schließt dabei jedes Mal die Augen.
Die Fahrt ist aufregend und spektakulär, die Landschaft ist es nicht. Ebene bis zum Horizont. Kilometerweit nicht mal eine größere Pflanze. Dann ein einzelner Baum, manchmal eine Hütte und dann wieder Weite wie ein glatter Ozean aus roter Erde.
Pause in einem schlammigen Ort. Wir halten an einer Autowäsche/Klo/Kiosk-Kombination. Dieses Geschäftsmodell prägt die Ökonomie des Ortes und säumt das Ding. Unterbrochen von einigen Hütten, in denen gebrauchte Stoßdämpfer zum Verkauf aus liegen.
Touristen können für 5 Thailändische Baht pinkeln gehen und sich mit Cola, Bier oder Snickers eindecken. Wer Touristen hier her bringt, bekommt als Dank den Wagen gewaschen. Davon lebt der Ort.
Mir fällt auf, dass in Kambodscha Camrys mit Links- und mit Rechtslenkung unterwegs sind. Trotz mehrerer Stunden Fahrt weiß ich nicht, ob in Kambodscha offiziell links oder rechts gefahren wird. Unser Fahrer fuhr dort, wo es am besten ging. Ein flinker Junge erzählt mir, die Karren kämen gebraucht aus Thailand (Rechtslenker) oder Vietnam (Linkslenker), je nachdem was gerade günstiger ist. 5.000 bis 10.000 Dollar kostet ein Wagen. Mit etwas Glück hat hält er auf dem Ding zwei Jahre. Passagiere bzw. deren Reiseveranstalter zahlen 20 Dollar pro Fahrt.
Nach einigen Stunden erreichen wir unser Ziel Siem Reap. Ich bin erschöpft wie nach einem Tag Arbeit im Steinbruch. Die Straßen in Siem Reap sind überraschend gut. Mein Guide wird mir am nächsten Tag erzählen, der Ort sei für Touristen heraus geputzt worden. Das klingt angesichts des Dings wie ein Witz. Denn keine Putzaktion in der Stadt kann den verkorksten ersten Eindruck wieder hinbiegen, den das Ding bei vielen Reisenden hinterlässt.
Aber vielleicht geht es auch gar nicht darum, bei Rucksacktouristen zu glänzen, die für 4 Tage Angkor Wat nicht mehr als 100 Euro ausgeben wollen, sondern bei zahlungskräftiger Klientel. Die schwebt nämlich per Flugzeug ein und bekommt das Elend auf dem Ding gar nicht mit.
Apropos Flugzeug: ein Flug von Bangkok nach Siem Reap kostet mehr als dreimal so viel wie der eben so weite Flug nach Phuket. Diesen Wucherpreis kann die Fluggesellschaft vor allem deshalb verlangen, weil die Fahrt auf dem Ding bekanntermaßen gefährlich und strapaziös ist und viele Reisende sie daher scheuen.
Einer nette Verschwörungstheorie zufolge bezahlt die Fluggesellschaft die Kambodschanische Regierung dafür, dass das Ding nicht zur vollwertigen Straße ausgebaut wird. Aber das ist eine Verschwörungstheorie, der wir keinesfalls glauben.
Immerhin, wir nähren die Theorie, denn wir verbreiten die Kunde von dem Ding, auf dem man nicht fahren kann, sondern nur schlittern, rutschen, driften, springen, holpern und hoppeln.
Podcast "Unterwegs nach Kmabodscha"
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