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Demos und Unruhen in Thailand

Demokratie Memorial

Immerhin: an die Demokratie gemahnt in Bangkok das üppige Democracy Monument. Politisch ist die Demokratie in Thailand mindestens umstritten und wird gelegentlich durch ihre Abschaffung gerettet. Immer wieder kocht es in Thailand. Mal demonstrieren die Roten, mal die Gelben. Wer dabei die Guten sind, erschließt sich nicht immer.

Mord & Totschlag - Frühjahr 2010 - zahlreiche Tote

Offenbar herrscht wieder Ruhe +++ Nach wie vor Ausnahmezustand in Bangkok und 23 Provinzen im Norden und Nordosten +++

Zig Tote, Brände in Bangkoks City: Im Frühjahr 2010 tobten blutige Unruhen in Thailands Hauptstadt. Touristen wurden in den aktuellen Kämpfen offenbar nicht angegriffen. Das behaupten zwar einige Quellen im Netz, aber die sind nicht besonders zuverlässig.

Das Auswärtige Amt (in Sicherheitsfragen maßgeblich) schreibt dazu am 17. Juni:

"Nach der Räumung des Versammlungsortes der außerparlamentarischen Opposition ("Rothemden") und den darauf folgenden Brandanschlägen am 19. Mai hat sich die Sicherheitslage in Bangkok und in den Provinzen im Norden/Nordosten normalisiert. Die nächtliche Ausgangssperre wurde landesweit aufgehoben. Bislang gesperrte Straßen sind am 24. Mai für den Verkehr wieder frei gegeben worden. Der öffentliche Nahverkehr hat seinen Dienst wieder aufgenommen."

Halte die Augen auf, wenn du in Bangkok bist. Siehe zu, dass du nirgends hinein gerätst. Thorsten war während der jüngsten Unruhen in Bangkok und mailt seine Einschätzungen: "500m Sicherheitsabstand reichen bei weitem nicht!"

Achte auf Menschenansammlungen, achte auf Demonstrationen, und mache einen Riiiiiiiiieeeeeesenbogen darum! Achte auf Militär in den Straßen.

Schaue im Internet auf Nachrichtenseiten. Lies die Bangkok Post, die im Web mit einem Live Ticker über die Lage in Bangkok berichtet. Verzieh dich in dein Hotel oder Guesthouse!

Informiere dich hier beim Auswärtigen Amt

 

Rote und Gelbe: Politische Bündnisse in Thailand

Die Roten

Die "Roten" sind keine Sozialisten oder Kommunisten, sondern Anhänger des umstrittenen Ex-Premiers Thaksin. Der ist wegen einiger großzügigere Wahlgeschenke vor allem bei der eher armen Landbevölkerung populär.

Im Frühjahr 2010 demonstrieren die Roten, um Premier Abisith (Favorit der Gelben) abzusetzen. Der kam ohne Volksentscheid, also auch nur bedingt demokratisch, Ende 2008 durch das Votum des Parlaments an die Macht. Das Parlament hatte seinerzeit dem Druck der Gelben nachgegeben.

So gesehen geht es den Roten vordergründig um Demokratie. Hintergründig sind sie jedoch Anhänger Thaksin Shinawatras. Der wiederum ist nicht gerade als Demokrat bekannt und war selbst einmal Premier und schickte später Strohmänner vor, die in seinem Sinne handelten.

Die Gelben

Kleinster gemeinsamer Nenner des Bündnisses PAD (genannt "die Gelben") ist, dass sie Thaksin und all seine Strohmänner ablehnen. Ihm werfen sie vor, die Demokratie zu missbrauchen.

Die Gelben stehen tendenziell dem König nahe, dessen Corporate Design Farbe eben gelb ist. Unter dem Dach von PAD versammeln sich konservative Royalisten mit Linken und allerlei gesellschaftlichen Gruppierungen. PAD ist somit ein eher instabiles Zweckbündnis gegen Thaksin.

Das organisierte sich zuerst, um 2008 gegen Thaksins Marionettenregierung (die Roten) zu demonstrieren. Die ist zwar demokratisch gewählt worden, hat die Regierungsgeschäfte jedoch offenbar nicht immer demokratisch geführt.

Ohne Volksentscheid, also auch nur bedingt demokratisch, kam Ende 2008 Premier Abhisit (Favorit der Gelben) durch das Votum des Parlaments an die Macht.

Dagegen protestieren im Frühjahr 2010 die Roten.

Kaperltheater?

Aus westlicher Sicht erscheint das Hin und Her der Gelben und Roten manchmal wie eine großes Kaspertheater. - Der Eindruck täuscht: die Auseindersetzungen haben bereits Regierungen gekippt. Sie werden mit großem Ernst geführt und manche Demonstraten auf beiden Seiten sind durchaus gewaltbereit. Im April 2010 sterben mindestens 23 Menschen bei Unruhen.

Seit Langem gärt und grummelt es politisch in Thailand. Zudem haben Thais 20 mal geputscht seit 1932. Putsch und politischer Umbruch ist offenbar Teil der politischen Kultur in Thailand.

Bis Mitte 2008 haben Touristen davon bislang nicht viel bemerkt und konnten unbehelligt von politischen Scharmützeln am Strand grillen und Tempel begutachten.

Als Aufständische am 29. August 2008 die Flughäfen in Phuket und Krabi blockierten und den Flugverkehr lahm legten, wurden erstmals Farangs bewusst in die politische Auseinandersetzung einbezogen. Darüber hinaus wurden Touristen jedoch bisher nicht weiter behelligt.

Der Zampano: Thaksin Shinawatra

 

Demowelle Herbst 2008 bis Frühjahr 2009

Im Herbst und Winter 2008 besetzen "die Gelben", Gegner von Ministerpräsident Somchai sowie von dessen Schwager und Strippenzieher "Thaksin", den Internationalen Flughafen in Bangkok. Die Demonstranten setzen sich durch: Somchai muß sein Amt abgegeben. Neuer Premier wird sein politischer Gegner Abhisit.

Am 15. Dezember 2008 hat das Parlament in Thailand den bisherigen Oppositionsführer Abhisit Vejjahjiva zum Premierminister gewählt. Damit ist die Hauptforderung der Demonstranten erfüllt, die vor Wochen die Flughäfen der Hauptstadt besetzt hatten.

Im Frühjahr 2009 demonstrieren die anderen: "Die Alten", nämlich Anhänger Thaksins und des entsorgten Somchai bekämpfen "den neuen" Abhisit, der den Regierungschefsessel nach ihrer Ansicht unrechtmäßig übernommen hatte. 

Die Auseinandersetzungen in Thailand erscheinen von Europa aus wie eine Fabel von George Orwell. Die Auswirkungen sind aber ganz real:

  • Der ASEAN Gipfel in Pattaya wurde abgebrochen
  • Der Bahnverkehr wurde offenbar eingestellt
  • In Bangkok und den angrenzenden Provinzen gilt das Notstandsrecht
  • Es kam zu mehreren Gewalttätigkeiten
  • Und als wenn es wichtig wäre (doch, das ist wichtig!): Die Neujahrsfeiern in Bangkoks Khao San Road wurden abgesagt.

Touristen mussten Anfang April 2009 vor allem in Bangkok aufpassen. In den Touristenorten im Süden blieb es ruhig.

 

Rückblick: Militärputsch in Thailand 19.09.2006

Panzer in Bangkok! Geschockt sitze ich am Abend des 19. September 2006 vor der Glotze und denke entsetzt an Horrorbilder aus Süd- und Mittelamerika: Tod, Leid, Folter, Verhaftungen, Verschleppung, eben die komplette Alptraumausrüstung, die ein zünftiger Militärputsch als "Kolateralschaden" mit sich bringt . Leise Hoffung, ein Machtwort des Königs könne den Spuk beenden, bevor es Verletzte und Tote gibt.

Ein solches Machtwort hat schließlich schon einmal die Militärs in Thailand gestoppt und den König endgültig als moralische Leitfigur Thailands etabliert: 1992 ließ der König die Tore seines Palastes öffnen, damit sich Demonstranten vor den Militärs in Sicherheit bringen konnten. Das Militär hatte zuvor Hunderte Demonstranten ermordet. Der König ließ sich später von führenden Militärs vor Laufenden Kameras das Versprechen geben, die Waffen nieder zu legen.

Und heute das: Der vermutlich friedlichste Militärputsch aller Zeiten fand im September in 2006 in Bangkok statt. Das liegt diesmal nicht an der vermeintlichen Friedfertigkeit der Thais. Dass die scheinbaren Dauerlächler auch brutal können, zeigt der blutige Putsch von 1992 ebenso wie die blutigen Scharmützel im Süden des Landes.

Doch der Putsch im September 2006 verläuft so sanft wie möglich: etwas Säbelrasseln, aber eben keine Toten und Verletzten. Der Regierungschef - Hauptzielscheibe der Putschisten - war ohnehin gerade nicht daheim (sondern in New York). Die meisten Thais sind über dessen Entmachtung auch nicht allzu traurig. In den nächsten Tagen sehe ich Bilder von Soldaten auf Panzern, die den Leuten auf der Strasse freundlich zuwinken. König Bhumibol unterstützt den Putsch.

Sie hätten die Demokratie nicht abschaffen, sondern sogar retten wollen. Diese Lesart verbreitet die Thailändische Militärführung. Nicht sie seien die bösen Feinde der Demokratie, das sei vielmehr der entsorgte Regierungschef Thaksin Shinawatra gewesen.

Im laufe eines Jahres sollen Neuwahlen stattfinden: Frei, geheim, gleichberechtigt, - demokratisch eben. Bleibt zu hoffen, das die dann Gewählten ihrerseits demokratisch genug sind, um nicht erneut den Unmut der Militärs zu erregen...

Kicki hat den Putsch live in Thailand erlebt und mailt:
"Der Putschtag war an meinem Geburtstag, dem 19.09. und ich habe in der "Rasta Hide Out" - Bar gerade mit den Thais gefeiert. Alle Thais hingen plötzlich gebannt vorm TV.
- Taksins Sender waren abgeschaltet und zwischendurch kamen nur schriftliche Infos vom König. Die Handys klingelten wie verrückt, weil alle Angehörigen der Touris sich Sorgen machten, wahrend die Thais völlig glücklich waren und nur meinten: Endlich ist der weg! Long Live the King!!! :-)"

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