Nordosten von Thailand

„echtes“ Asien, Kultur und Ruhe im Nordosten von Thailand (Isaan)

Sollen sich Philosophen die Köpfe darüber heiß denken, was eigentlich das „echte“ Thailand ist. Ich definiere es so: In manchen Ecken Thailands berichten es die Kids ihrer Familie stolz, wenn sie einen echten Farang gesehen haben. – So selten ist diese Spezies dort. Die Kultur dort ist eben nicht durch Tourismus geprägt, verändert, verwässert. Auch wenn es in der Gegend ein oder zwei Guesthouses und eine Kneipe gibt, die brauchbaren Kaffee verkauft.

Phuket oder Ko Samui, die rummeligen Tourismusinseln im Süden des Landes wären ohne Tourismus völlig andere Orte. Ubon Rathachthaini hingegen, die Provinzmetropole im Osten, nicht.

Solchen Orten ist es gleich, ob Touristen kommen oder nicht. Thais haben sich hier allein für sich eingerichtet. Dazu gehören heute auch Stahlbeton, Toyotas und das Internet. Statt runder Hüte aus Reisstroh tragen viele Thais Baseballcaps. Stromkabel, Autoverkehr und Smartphones veredeln auch die entlegene Winkel Siams. Abends wird nicht im Tempel getanzt, sondern ferngesehen. Das „echte“ Thailand des dritten Jahrtausends besteht auch aus Technik und Einflüssen westlicher Popkultur.

Jedoch interpretieren Thais die Westkultur auf ganz eigene Art: Thaipop klingt zwar auf den ersten Ton wie Westpop, ist aber doch stets einen Akkord daneben. Was Thailändische Kfz-Spezialisten auf die Chassis von Hondas, Isuzus und Volkswagen stellen, hätte keine Chance auf Europas Straßen. Eigenwilligen Interpretationen westlicher Kultur und Technik, gemischt mit altasiatischer Tradition, prägen dieses „echte“ Thailand: Zwischen Tuk-Tuks fahren noch Ochsenkarren und Samlors (besser bekannt unter der Japanischen Bezeichnung als „Rikschas“).

Der Nordosten Thailands, auch Isaan genannt, gilt als etwas zurückgeblieben. Obschon auch dort DSL-Anschlüsse die weite Welt in Bambushütten und Betonklötze bringen, so hat sich diese Region noch etwas Ursprünglichkeit sowie vor allem Gelassenheit und Ruhe bewahrt. Hier lebt es sich deutlich gemächlicher als im touristischen Süden oder gar im hoch beschleunigten Bangkok.

Reisende können hier Tempel und Kulturdenkmäler besuchen, auf Märkten wirklich exotische Dinge entdecken, gemächlich die Zeit verstreichen lassen und sich auf dem Mekong dahin treiben lassen. Die ebene, weitläufige Landschaft ist auf den ersten Blick eher öde: Reis-, Gemüse- und Tabakfelder, dann kilometerweit trockenes Buschland. Dunkelhäutige Kinder vor Strohhütten, träge Büffel in Wasserlöchern und vereinzelte Palmen erinnern daran, dass man in Asien ist.

Wem das nicht ursprünglich asiatisch genug ist, der kann nach Laos oder Kambodscha reisen, den Ländern, die an den Nordosten Thailands grenzen.

Die Metropole im Nordosten ist Ubon Rathachthani, weiter nördlich am Mekong liegt Nong Khai, ein angenehmer Ort mit direktem Anschluss nach Laos.

Quickie: Die alte Siamesische Hauptstadt Ayutthaya liegt nicht einmal zwei Fahrstunden von Bangkok entfernt und bietet seinen Besuchern einen beachtlichen Haufen Bauschutt – Verzeihung – ich meine natürlich kulturhistorisch bedeutsame Denkmäler aus vergangener Zeit.