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Kanchana Buri (KB): eine Brücke ist eine Brücke ist eine Brücke…

…oder gibt’s sonst noch was in Kanchana Buri? – Die Brücke am Kwai muss als Mega-Touristenattraktion herhalten und ist damit völlig überfordert. Die belanglose Konstruktion stellt den netten Ort und die hübsche Landschaft zu unrecht in den Schatten.

Eine der berühmtesten Brücken der Welt.

Architektonisch völlig langweilig, wie tausend Eisenbahnbrücken überall auf der Welt. Die reale Brücke – aus Stahl und Beton – ist längst nicht so imposant wie das Holzungetüm aus David Leans ebenfalls berühmten Film. Eisenbahn- und Architekturfans sind enttäuscht, versprechen sich meist viel mehr von der „Brücke am River Kwai“.

Mythos statt Architektur. Reliquie eines fernen Krieges. Einer der wenigen Orte, an dem das „Pacific Theatre“ greifbar ist. – zumindest für Amis und Japaner. Deutsche kennen vielleicht den Film, nicht aber den Krieg in dieser Ecke der Welt. Auch wenn einem die zahlreichen „Hitlertainment“ – Sendungen im TV noch so sehr aus dem Hals hängen, dieser Weltkrieg ist bei uns nicht präsent.

Aber in Kanchana Buri ist er allgegenwärtig: Die Brücke, Soldatenfriedhöfe, das War Museum, das Japanische Kriegsdenkmal und etliche Andenkenbuden mit feinstem Kitsch zwischen ergriffenem Pazifismus und grimmigem Militarismus inszenieren den Krieg als Touristenattraktion.

KB eignet sich vortrefflich, um ein paar Tage dort abzuhängen, wenn wegen des baldigen Fluges kein längerer Trip lohnt und Bangkok zu nervig ist. In ein bis zwei Stunden ist der Minibus von der Khao San Road in KB. eingetroffen.

Der River Kwai und die agrarisch genutzte, hügelige Landschaft vermitteln – mit etwas Fantasie – mediterranes Flair und machen KB zur attraktiveren Wahl für den Quickie.

Mit 35.000 Einwohnern zwar eine Thai – Metropole, aber in den Randbezirken ruhig.

Vor allem die Gegend am River Kwai zwischen City und Brücke ist  für Traveller interessant. Einigermassen idyllisch und mit Traveller – Vollversorgung: Guesthouses, Kneipen, Reisebüros, Mopedvermietungen.

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Bunter Nachmittag / Abend

  • Der Film zur Brücke : Jeden (ja jeden) Abend in einer Kneipe beim Jolly Frog GH um die Ecke (an der Straße, die aus der Stadt zur Brücke führt. Nach der S – Kurve hinter dem Soldatenfriedhof links).
  • In einer schangeligen Bretterbudean der selben Straße habe ich mehrfach exzellent gespeist. Hatte keinen Namen. Sei’s drum, wer nicht auf gut Glück herumprobiert, verpasst in Thailand immer was!
  • River Disco: Am Wochenende gondeln schwimmende Discos auf Flössen den River rauf und runter. Die überwiegend japanischen Gäste werden mit feinster Karaoke verwöhnt (alle Anwohner des River übrigens auch…)
  • Erawan Wasserfälle: ca. 60 km nördlich von K.B. Mit der gecharterten Honda auf der Straße 3199. Sonst bekommt ihr in den Buden um die Brücke auch Bus oder Bootsreisen zu den Fällen.
    Optisch besonders reizvoll waren die Erawan Fälle, als ich sie besuchte: Ein paar sehr, sehr leicht bekleidete Girlies räkelten sich im Wasser zwecks Aufnahme von Thai – Softsexfilmchen, – haarscharf (oder eben nicht „scharf“) noch jugendfrei.

POW = prisoner of war = Kriegsgefangener = allgegenwärtige Abk. in KB.

Wohnen

Minibusse aus Bangkok halten in der Regel rein zufällig vor einem Guesthouse. Das ist eindeutig abgekartet, aber enorm praktisch. Meist sind die Läden ganz in Ordnung. Du kannst erst mal bleiben und die dann was besseres suchen.

Das gilt auch für das Jolly Frog GH, das ich hier schon mal empfohlen hatte. Allerdings sind damit nicht alle zufrieden. Anschauen und selbst probieren oder wo anders hin…

Hinkommen ab Bangkok

Minibus täglich mehrfach ab Khao San Road. In jedem Reisebüro ab ca. 100 Baht.

Puristen organisieren sich selbst einen billigeren Trip mit dem Linienbus ab Busterminal.

Bahn zweimal täglich ab Thonburi Station (gegenüber dem Khao San Viertel auf der anderen Seite des Chao Phraya River).

Lage

120 km westlich von Bangkok; am River Kwai, erreichbar mit Bahn und Bus.

Reisetagebuch: Kanchana Buri zum 2ten Mal

Nach 5 Jahren wieder mal in Kanchana Buri. Hier ist – zumindest auf den ersten Blick – nicht so viel verändert worden wie in den anderen Orten, die ich während dieser Reise (wieder-) gesehen habe.

Die Brücke über den River Kwai ist nach wie vor langweilig und deutlich zu viele Guesthouses und Kneipen buhlen um Kunden. Heute ist Samstag, also flimmert in den fast leeren Kneipen die Englische Premiere League (Ich hatte mich auf einen gemütlichen Abend mit einem seichten Hollywoodschinken gefreut). – Also viel Angebot und wenige Touris hier derzeit.

Offenbar bleiben sogar die Japaner aus, die vor 5 Jahren noch die schwimmenden Restaurants am Flussufer in der Innenstadt überfüllt haben.

Ein paar neue Läden, sonst habe ich hier jede Menge Deja vus. Immer noch sind 90% der Backpacker hier Israeli. Kann mir mal jemand erklären, was Massen von Israeli nach Kanchana Buri zieht? Eine Frau aus Tel Aviv, die ich danach gefragt habe, sagte: „It is nice here.“ Ah ja; das erklärt natürlich alles und zwar abschließend. Aber „nice“ ist es tatsächlich, abends, kurz vor der Dämmerung, am River entlang zu schlendern.

Kanchana Buri wäre noch weitaus „nicer“ ohne den allgegenwärtigen Lärm. In einem Internetschuppen spielen neben mir einige junge Thais ein PC-Game. So ein miserables Ballerspiel im Mangalook. Nein, sie spielen nicht, in erster Linie schreien sie und in zweiter Linie klicken ab und zu auf die Maus.

Natürlich müssen Thais schreien, sonst versteht sie hier nämlich niemand. Die Trommelfelle der Bewohner Kanachanas sind vermutlich lange schon geplatzt. Kontinuierlich fließt über den River Kwai eine Armada schwimmender Discos auf Flössen, deren überdrehtes Thaipopgejammere wohl noch im 120 km entfernten Bangkok gehört wird (intakte Trommelfelle vorausgesetzt). Die Longtailboote sind auch nicht leise und seit Stunden kreist ein Hubschrauber im Tiefflug über den Fluss. Über den normalen Verkehrslärm reden wir erst gar nicht.

Hier lerne ich die idyllische Ruhe des Flusses, an dem ich in Deutschland wohne, zu schätzen. Ist übrigens die Ruhr…

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