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Unterwegs: die Thailand – Reiseberichte

Ferner Osten. Duft von Gewürzen: Bergamotte, Zitronengras, Zimt, Ingwer. Glutrote Sonnenuntergänge unter Palmen und das ewige Rauschen der Wellen. Feinsandige Strände, an denen warmer Wind um Dein gebräuntes Gesicht weht. Deine Füße umfließt türkisklares Salzwasser. Kleine Fische schießen zackig vorbei. Am Horizont ein schlankes Boot, von dem lachende Menschen ihre Netze auswerfen. Strahlende Tempel und Paläste, steingewordene Träume eines orientalischen Märchenerzählers, die golden im Licht der heißen Sonne funkeln. Friedliche Menschen, die Dir eine Mango schenken, weil ihr Lächeln Dich angesteckt hat.

Thailand: Tausende solcher Bilder sind in meiner Erinnerung eingebrannt. Unvermittelt tauchen sie manchmal auf und entfachen eine fast schmerzhafte Sehnsucht. Nur ein Gegengift hilft wirklich: live in Thailand sein!

Ist nämlich ein besonders prächtiger Sonnenuntergang zu bewundern, donnert garantiert ein mit Müll beladener Lastwagen, so ein altes, verbeultes Monstrum von Mitsubishi, laut hupend über die Strandpromenade. Hast Du endlich das letzte unberührte Fleckchen Thailand entdeckt, so ergießt sich darüber garantiert zwei Minuten später die erste johlende und munter fotografierende Reisegruppe.

Thailand ist traumschön. Aber nicht nur: ein einziger Blick zeigt Gegensätze und Widersprüche, ganz dicht bei einander. Liebevoll hegen manche Thais ihre Orchideen, sie gießen sie mehrmals täglich, sprechen gar mit ihnen. Einige Meter weiter lassen sie das Altöl ihrer Honda im Erdreich versickern. Am Ende eines jedes Traumstrandes gammeln Abfallsäcke. Wummernde Generatoren versorgen die Anlagen am Ufer mit Strom. Ursprüngliches Asien und moderne Technikgesellschaft. Friedliche Ruhe in Tempeln und überdrehter Verkehr auf der Straße davor. Strahlende Paläste und wackelige Bretterbuden. Dekadenter Luxus und jämmerliche Armut.

Ich liebe Thailand wegen seiner Gegensätze, die im klaren Licht der heißen Sonne deutlich sichtbar sind. Ich bin erschüttert und zwei Ecken weiter bezaubert.

Reisen sind wie Modelle des Lebens. Maßstäblich verkleinert verdichten sie, was in langen Jahren eines Lebens geschieht: Euphorie und Depression. Einsamkeit, Zweisamkeit und Geselligkeit. Kennen lernen, verlieben, verlassen und verlieren. Die Highlights und Lowlights, die gelegentlich im Fluss des Lebens aufleuchten und als Landmarke in der Erinnerung überdauern, überschlagen sich auf Reisen. Allerdings weich gezeichnet, ohne Tiefenschärfe. Nichts ist von Dauer, so lautet die erste Lektion des Reisens. Dass nichts wirklich bedeutsam ist, lautet die zweite.

Und wenn es irgendwann reicht mit all dem kontemplativen Tiefsinn, dann bietet Thailand genügend traumschöne Strände, um genüsslich zu planschen und feinste Kneipen, um bei Cappuccino oder geeistem Bier mit netten Leuten abzuhängen.

Davon schreibe ich hier: von verplemperten Tagen an feinsandigen Stränden, vom Duft von Gewürzen und vom Smog in Bangkok, von glutroten Sonnenuntergängen unter Palmen und von strapaziösen Fahrten in zu engen Bussen, vom Neppern und Abzockern und davon, unerwartet beschenkt zu werden. – Vom Reisen in Thailand eben.