„Super VIP Bus“ von Bangkok nach Krabi

Bus

20.00 Uhr geht’s los. „Super VIP-Bus“. Ein Witz. Sitze: fehlkonstruiert. Wohin sollen in diesem Rohrgewirr die Füße? Eine kleine Thai sieht meinen Sitznachbarn und mich (je 1,90m) halb belustigt, halb mitleidig an.

Die beiden Iraner hinter uns telefonieren die ganze Nacht, lenken von diesem Bus aus vermutlich ganze Container voller Teppiche oder Drogen. Schlafen scheint unmöglich. – Möge Allah sie mit einer furchtbaren Handyrechnung strafen.

Immerhin ist der Fernseher in diesem Bus ausgeschaltet oder einfach nur kaputt. Oft läuft eine DVD, manchmal erschreckend schlechte Thaipop-Musikvideos, meist aber ein drittklassiges Actionspektakel mit Leinwandgiganten wie Chuck Norris oder Dolph Lundgren. Fahrer verrenken sich den Hals, um nichts zu verpassen und überfahren während der aufregendsten Szenen ein paar Hühner. Fahrgäste ziehen sich Handtücher übers Gesicht.

Gegen Mitternacht dann doch eingeschlafen. Halb zwei: Pause am Rasthaus. Im Bus werden Essensgutscheine verteilt. Es gibt vermatschten Reis, drei leblose Gurkenscheiben und die Überreste eines verendeten Tieres. Will meinen Gutschein einem Bettler schenken. Der lehnt empört ab. Ich schäme mich.

Kurz nach fünf werden wir aus dem Bus geworfen. Es ginge gleich weiter. Der Bus fährt leer davon. Wir stehen unter struppigen Palmen im Niemandsland. Ein paar Greenhorns werden panisch, fühlen sich betrogen. Nicht umsonst wird allenthalben vor betrügerischen Halsabschneidern gewarnt. Ein rothaariger Junge, sein T-Shirt zeigt „DJ Guevara“ mit Zigarre am Turntable, blättert in seinem Reiseführer, um herauszufinden, worauf er gerade hereingefallen ist. Altgediente Traveller kennen das Spiel und verbreiten Gelassenheit: „Reg‘ dich nicht auf. Alles kein Problem. Setz dich hin und warte ab.“

Nach einer Stunde kommt ein Bus und lädt ein paar Leute nach Ko-Samui ein. Wir, mit Ziel Krabi, warten weiter. Irgendwer hat einen Laden in der Nähe aufgetan, der ein kaffeeähnliches Getränk verkauft.

Ein Songtau (bestuhlter Lieferwagen) hält eine weitere Stunde später: „Phuket, Krabi?“ Wir quetschen uns auf die Holzpritschen. Gebucht und bezahlt hatten wir „Super VIP-Bus“ mit breiten Sitzen und Klimaanlage. Einer der erfahrenen Traveller kennt sich aus: „That’s thai logistcs, don’t worry…“ „…be happy“, ergänzt jemand sarkastisch. Der Fahrer erzählt, er müsse noch kurz zu Hause vorbei, dauert nur „few minutes“. Die Fuhre holpert über Dschungelpisten, dabei gibt es eine feine Nationalstraße von Suratthani nach Krabi. Zwei Engländerinnen fürchten, ihr Boot nach Ko Phi Phi zu verpassen und fuchteln hysterisch mit ihren Tickets herum (wir werden dadurch nicht schneller). Ein spitznasiger Bengel mit Dreadlocks schlägt unappetitliche Folterpraktiken für den Chauffeur vor.

In einer Kautschukplantage stoppen wir. Der Fahrer grinst uns an: „few minutes“, dann verschwindet er zwischen den Kautschukbäumen. Einige Passagiere nutzen die Gelegenheit und düngen den roten Boden. Der Schlüssel steckt im Zündschloss. Wir wollen die Karre entführen, sind aber zu feige.

Eine Viertelstunde später kommt der Fahrer zurück. Er trägt ein eingemummeltes Kleinkind, das uns triefäugig anschaut. „Baby is ill, bring it to hospital in Krabi“ erklärt er uns. Behutsam verstaut er das Kind auf dem Beifahrersitz. Wir sind allesamt gerührt und sanft wie der Morgenwind.

Gegen Mittag erreichen wir Krabi; die Engländerinnen trauern ihrem Boot hinterher.

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