König von Thailand

Der König von Thailand

Der 64 Jahre alte Monarch Maha Vajiralongkorn hat sein Amt im Dezember 2016 eher unauffällig mit minimalem Zeremoniell angetreten.  Der amtierende König tritt in die übergroßen Fusstapfen seines Vaters:

König der Herzen ist nach wie vor Bhumiphol (sprich: „Phumipon“) Adulyadej, der am 13. Oktober 2016 verstarb. Hier ist ein Rückblick auf den Monarchen.

Superstar 4ever!

Wo Thais waren, war auch er, zumindest auf Bildern aller Formate.  Er war ständiger Begleiter: wo immer du während der letzten 5 oder 6 Dekaden in Thailand warst, er war schon da und blickte auf sein Land und seine Menschen. Auch auf Touristen blickte er in jedem Guesthouse, in jeder Kneipe und Bar. Natürlich zierte ein Portrait seiner Majestät auch jede Mopedvermietung oder Tauchschule.

Devotionalien von König Bhumiphol Adulyadej werden immer noch industriell gefertigt und überall gehandelt. Touristen übersehen die meist, da Königskitsch – anders als gefälschte Markenware oder raubkopierte Filme – nicht in ihr Beuteschema passt.

Jahrzehntelang war König Bhumiphol  Adulyadeji der unbestrittene Superstar in Thailand. Und auch nach seinem Tod im Oktober 2016 wird er noch verehrt. Niemand sonst hält mit ihm mit. In Europa gibt es nichts Vergleichbares. Uns westlichen Demokraten mag der Kult um den König in Thailand  befremden, schließlich haben wir gelernt, alle staatlichen Autoritäten höchst kritisch zu beäugen; der König von Thailand steht absolut jenseits aller Kritik! Dabei machen sich Thais durchaus in aller Öffentlichkeit über die jeweilige Regierung lustig. Kritik am König ist aber verpönt.

Schutzpatron

Der vielfältig talentierte Monarch hat Politologie und Juristerei studiert, seine Hobbys sind nach eigenen Angaben die Naturwissenschaften. Er verfügt über wissenschaftliches Renommee, gilt als guter Musikant (hat das Saxophon mit Bill Clinton geblasen) und hat für Thailand an der Olympiade teilgenommen. Aber das ist eher unbedeutend. Dafür könnt man den Mann verehren. Geliebt wird er für den Einsatz für die Menschen seines Landes.

König Bhumiphol ist der Schutzpatron des Landes. Und das nicht nur symbolisch, sondern ganz handfest in Taten: Während des Putsches 1992 rettete er zahlreichen Landleuten das Leben, als er die befahl, die Tore seines Palastes zu öffnen, damit bedrängte Demonstranten sich dorthin vor schießwütigen Militärs retten konnten. Niemand hätte gewagt, den Palast des Königs zu stürmen. Kein General in Thailand hat dafür genug Panzer.

Dass in Thailand (fast) niemand hungert und dass es dort ein Überangebot an Lebensmitteln gibt, schreiben die Menschen in Thailand ebenfalls dem König zu. Seit Jahrzehnten fördert Bhumiphol nachdrücklich die Agrarreform im Lande.

Wenngleich kaum ein Thai den Monarchen tatsächlich berührt hat, gilt er doch als Herrscher zum Anfassen. Mit einem vergleichsweise bescheidenen Japanischen Mittelklassewagen kutschiert der König durchs Land, gilt als jemand, der auf die Menschen zugeht und ihnen zuhört.

Vor Jahren ging folgende Anekdote durch die Thailändische Presse:

Der König von Thailand fragt irgendwo in der Provinz nach, warum ein landwirtschaftliches Projekt seit Jahren stockt.

„Ein Geisterhäuschen steht genau dort, wo die Hauptzufahrtsstraße gebaut werden soll“, so die Antwort.

„Warum stellt ihr das Häuschen nicht woanders hin?“ fragt Bhumiphol.
„Das Häuschen zu berühren“, so der Projektleiter, „bringt Unglück für die Zukunft“.

„Gut“, sagt der König, zieht sich das Jackett aus und krempelt die Ärmel hoch, „dann räume ich das Geisterhäuschen selbst weg. In meinem Alter brauche ich mich nicht mehr um meine Zukunft zu sorgen!“

Biografisches

König Bhumiphol kam 1946 unerwartet auf den Thron, nachdem sein älterer Bruder mit einer Kugel im Kopf aufgefunden wurde. Die Umstände des Todes sind bis heute nicht geklärt.

Der König wurde am 5. Dezember 1927 geboren und war der am längsten regierende Monarch der Welt.

Am 13. Oktober 2016 starb der Monarch .

Reisetagebucheintrag, Geburtstag des König von Thailand, 5. Dezember 2004:

„Hast du zufällig die Ansprache des King von Thailand zu seinem Geburtstag im TV gesehen? Nein? – Kein Problem, ich hab’s in einer Reggaekneipe in Krabi gesehen und kann davon berichten.

Als die Ansprache beginnt (die Glotze flimmert schon seit geraumer Zeit in einer Ecke des Ladens), drehen die Rastajungs sogar ihren Superstar Bob Marley („is this love, is this love that I m feelin?“) leiser, um dem noch größeren Superstar lauschen zu können.
Ich verstehe kein Wort; aber nonverbal war der King charismatisch, eloquent, amüsant.
Nach Ende der Rede sehen wir noch den Regenten in seiner Staatskarosse wegfahren. Der (damals) 77-jaehrige Monarch fährt übrigens selbst.

Der Rede wert ist der Typ der staatstragenden Limousine. Ich hole dazu mal etwas aus: Schwedens König fährt Ferrari, das britische Königshaus bevorzugt Rolls Royce, Arabische Prinzen lieben Lamborghinis und Afrikanische Diktatoren lassen sich bevorzugt in gepanzerten Mercedes S-Klassen herumkutschieren. Der King von Thailand hingegen fährt Honda Accord; Japanische Mittelklasse. Also, dein Nachbar hat imposanteres unterm Carport.

Der King wird in Thailand verehrt wie nichts und niemand sonst. Die coolen Rastajungs lauschen der Rede andächtig und schwärmen mir hinterher von ihrem grandiosen Monarchen vor und ich stoße auf den König an.

Vermutlich muss man einen König einfach gern haben, der mit einem Japanischen Mittelklassewagen durch sein Land braust.

Um 8 Uhr abends hat sich das ganze Land erhoben, Kerzen angezündet und mehrere Lieder zu Ehren des King gesungen. Und zwar alle 46 Strophen. Auswendig und inbrünstig. Neben mir standen einige Schuljungen, die sehr textsicher wirkten. – Meine persönlichen Favoriten beim nächsten PISA Test!