Menschen in Thailand

Menschen in Thailand

Manche Thais sind schlauer als ich, manche sind dümmer. Manche sind ärmer als ich, manche sind reicher. Manche sind sportlicher als ich, manche sind weniger sportlich. Und manche kaspern eben so gerne vor vermeintlichen Sehenswürdigkeiten herum wie ich.

…so sind sie halt, die Thais…

Das vorab: Thais sind ganz einfach Menschen und gar nicht anders als Menschen sonst wo auf der Welt. Etwas anderes zu behaupten, ist rassistisch.

Aber es gibt Verhaltensweisen, die bei Thais häufiger zu beobachten sind als etwa bei Holländern oder Deutschen und die dann schnell als „typisch“ bezeichnet werden. Es geht – und das ist wichtig! – um Verhalten und nicht um unveränderliche Eigenschaften!

Diese für sie typischen Verhaltensweisen lernen Angehörige einer Kultur (oder allgemein: einer sozialen Gruppe) von klein auf (und können sie auch wieder verlernen!).

Zum Beispiel verletzt es Thais ebenso wie Deutsche, wenn sie beleidigt werden.  Während aber ein Deutscher angesichts einer Beleidigung meist das Programm „Zurückmotzen“ einschaltet, aktiviert ein Thai eher das Programm „Lächeln“.

Dass aufgrund kulturell verschiedener Reaktionen auf eine Situation Missverständnisse entstehen können, liegt auf der Hand: Für die meisten Thais ist es beispielsweise unhöflich, eine Hilfeleistung zu abzulehnen, – selbst wenn man diese überhaupt nicht leisten kann. Also wird oft gestümpert was das Zeug hält. Geholfen ist damit niemandem. Im Gegenteil!

Fragst du etwa einen Thai nach dem Weg, erhältst du stets eine Wegbeschreibung als Antwort. Selbst dann, wenn der freundliche Thai den Weg selbst gar nicht kennt. Aber weil er nicht unfreundlich sein will oder kann, schickt er dich lieber ins Blaue.

Grund genug, sich vor der Reise mit einigen typischen Verhaltensweisen zu befassen.

…und immer schön lächeln!

Das Lächeln der Thais: sprichwörtlich und allgegenwärtig. Mitunter aber auch nur eine hilflose Geste. Nicht immer wirklich ernst (sic!) gemeint. Manchmal ein Verkaufsargument, so abgedroschen wie das eines deutschen Versicherungsvertreters. Manchmal der letzte Ausweg in einer sozialen Mikrokatastrophe.

Nicht jedes Lächeln ist echt, aber sollen wir uns darüber aufregen? Hey, wir sind zu Gast in Thailand, sind Devisenbringer für die einen und nervige Störenfriede für die anderen. Ein Wunder, das uns so viele Menschen in Thailand dennoch wirklich mögen. (die Bedienung in meiner Lieblingskneipe in Krabi ließ vor Freude fast ihr Tablett fallen, als ich nach einem Jahr den Laden wieder betrat. – Dass sie danach frech meinte, ich sei fett geworden, verzeihe ich ihr gerne…).

Selbst habe ich 1.000 mal freundliche, geduldige, tolerante und entspannte Thais erlebt. Ich spare mir eine Aufzählung; aber jedes Klischee stimmt.

Seltene Ausnahmen: sturzbetrunkener Hooligan in Bangkok; ergraute Kathois (oder „Ladyboys“), handgreiflich (buchstäblich!) auf der Suche nach dem letzten Freier. Aufdringlicher Tuk-Tuk Fahrer, der noch eine Fuhre voll kriegen muss.

Macht nix… („mai-bpen-rai“ auf Thai).

Das Gefühl, willkommener Gast zu sein, habe ich nirgends so empfunden wie in Thailand.

Zunächst hat man immer und überall Kredit. – Den kann man verspielen. – Durch eigene Ungeduld, Unfreundlichkeit, Unhöflichkeit, lärmige Genervtheit.  Aber das ist in Thailand verdammt schwer…

Viel einfacher: sich von Thailändischer Gelassenheit anstecken lassen! Bei vielen wirkt’s. Vielleicht ist es das, was an diesem Land so fasziniert (oder doch die Landschaft, die Palmen, die Sonne, das Essen, und, und, und…)

Demografisches

Ca. 60 Mio. Einwohner leben in Thailand.

Die meisten Einwohner (ca. 80%) sind Siamesen, mit einer relativ homogenen Mehrheitskultur (eben das, was wir gemeinhin als „Thailändisch“ verstehen).

In den Südprovinzen (Patani, Yala, Narathiwat, Satun; die liegen rund 100 Kilometer südlich der beliebten Strände) leben mehrheitlich muslimische Malaien, die allerdings überwiegend nicht sonderlich orthodox sind. Es gibt einige Separatistengruppen, die sich teilweise für einen Anschluss an das islamische Malaysia stark machen. Bis zum Frühjahr 2004 war es in Thailand ruhig, – zumal die Thailändische Regierung die Muslims einerseits sanft integriert und andererseits Zugeständnisse macht (freie und gesetzlich geschützte Religionsausübung sowieso; einige islamische Feiertage sind inzwischen auch offiziell). Es „kochte“ bis dahin in Thailand deutlich weniger als etwa in Indonesien. Im Mai 2004 kämpften in Südthailand Aufständische gegen Sicherheitskräfte. Dabei kamen über 100 Menschen ums Leben. Der Aufstand richtete sich zwar nicht gegen Touristen, allerdings besteht für Reisende die Gefahr, eher zufällig in ein Scharmützel zu geraten. Noch immer (Anfang 2008) werden Aufständische und Sicherheitskräfte in der Gegend gelegentlich handgreiflich. Vorsicht!

Im Norden leben – mehr oder weniger weit vom Schuss – Bergvölker („Hilltribes“), die sich teilweise eine eigene Kultur jenseits des Thai-Mainstreams bewahrt haben. Deren Kultur wird zunehmend als Touristenattraktion verheizt. So versprechen Trekkingtouren den „Thrill“, unberührte Urvölker anglotzen zu dürfen.

Hilltribe-Frauen vom Volk der Akha bieten auf der Touristenmeile in Bangkok in voller Tracht Kunsthandwerk an und wirken dort so deplatziert wie ein Bayer mit Lederhose und Gamsbart.

Armut

Eine junge Holländerin erzählte mir beim Bier von dem alten, ausgemergelten Hängemattenverkäufer auf der Khao San Road, dessen Elend sie mitten ins Herz getroffen hatte: „…noone needs hammocks, noone desires hammocks, noone buys hammocks, – what does this man live from?“

Ich kannte den Mann, hatte ihn 1996 das erste mal gesehen. 2001 sah ich ihn wieder. Auch 2002 versuchte er, Hängematten unters Volk zu bringen. Verkniffenes, zahnloses Gesicht, Haut und Knochen. Ein paar wirklich scheußliche Hängematten in einem Plastiksack. Hässlich, unpraktisch, passen in keinen Rucksack, kosten ein paar Baht, noch zu teuer. Handelsspanne vielleicht 10 oder 20 Cent. Aber das spielt keine Rolle, denn niemand kauft ihm etwas ab.

Anmerkung, einige Jahre später: selbst Thaiminator kann irren 🙂  Der „Hammockman“ zählt tatsächlich zu den Besserverdienern auf der Road.

Vielleicht siehst du den Mann auch, wenn du in Bangkok bist. Vielleicht auch die tieftraurigen, grauen Frauen, die in Travellerkneipen erfolglos lustiges, buntes Spielzeug feilbieten. Oder die Kinder mit dem Pappbecher für die Münzen, mit Augen wie vom Misereor-Plakat. Oder die Nutten, wie Sklaven gehalten. Oder die Bettler, denen so viele Körperteile fehlen, das sie – medizinisch gesehen – eigentlich nicht mehr leben dürften.

Elend ist Thailand kein Massenphänomen; es entwickelt sich eine breite Mittelschicht mit relativem Wohlstand, die Unterschicht kommt irgendwie zurecht. Aber das Elend ist dennoch da und manchmal direkt vor einem.