Schlangen in Thailand

Schlangen in Thailand: eigentlich halte ich die für einen Marketinggag: Gleich 6 Farangs am Meanam Beach auf Ko Samui recken die Hälse und gaffen in die Baumkrone. „Sssssnake“, erläutert ein Thai und zeigt nach oben.

Kein Farang sieht etwas anderes als Geäst und Blätter. Nach und nach kommen Leute vom Weg hinzu, schauen hoch und sehen ebenfalls keine Schlangen. Wir kommen ins Gespräch. Thema? Na klar. Einer berichtet von einem beindicken Monster im Wuppertaler Zoo. Wir sind schwer beeindruckt. In Thailand hatte indessen bisher niemand eine Schlange in freier Wildbahn gesehen. – Ich bin seinerzeit immerhin das 7. Mal in Thailand. Zuvor hatte ich nur die Kadaver überfahrener Schlangen im Straßengraben gesehen.

Rein zufällig besitzt der Thai, der die Schlangen in den Bäumen entdeckt hat, eine kleine Garküche. Wir bestellen Bier, Cola und Pad-Thai. Ohne die vermeintlichen Schlangen wären wir achtlos vorüber gegangen und hätten unsere Baht woanders ausgegeben.

Schlangen arbeiten in Thailand gelegentlich als Marketinghelfer. Am Wat Arun in Bangkok lassen sich ungiftige Phytons für 100 Baht um den Touristenhals hängen und fotografieren. Im Bangkoker Institut Pasteuer locken sie Touristen zum kontrollierten Grusel.

Touristen bekommen nur selten in Thailand Schlangen zu sehen und werden nur in Ausnahmefällen von den Tieren angegriffen. Schlangen sind extrem scheu und betrachten große Säugetiere (wie etwa Menschen) als Feinde, vor denen sie flüchten. Sie nehmen Erschütterungen des Bodens wahr, weshalb sie sich zurückziehen, wenn sie Tritte spüren. Giftschlangen müssen mit ihrem wertvollen Toxin haushalten und verspritzen es nur, wenn es keine andere Rückzugsmöglichkeit gibt. Zudem sind die meisten Schlangen ungiftig. Ihr Biss ist allenfalls schmerzhaft. Eine Biologin erzählt mir einmal, die Gefahr aufgrund eines Schlangenbisses an Wundstarrkrampf zu erkranken, sie weitaus größer als die des Giftes. Nur die wenigsten Arten sind wirklich gefährlich. – Die Angst vor Schlangen ist deutlich größer als die tatsächliche Bedrohung. – Unbeschwert sicher sollte sich jedoch niemand in Thailand fühlen. Vor Jahren traf ich einen Düsseldorfer, den eine Viper auf Phuket gebissen hatte. Eine Hand ist seither dauerhaft gelähmt. Immerhin: er hatte überlebt (nach tagelangem Todeskampf in einem Thailändischen Hospital).

In Ao Nang lag vor Jahren ein besonders prächtiges Exemplar auf dem Bürgersteig, – von einem Auto dorthin geschleudert und ansonsten mausetot. Gelegentlich kamen Touristen vorbei, zuckten entsetzt zusammen, wichen zurück und machten einen riesigen Boden um die Leiche. Ein Mann verständigte das Management des nächsten Resorts. Nach einiger Zeit trottete eine ältere Thai herbei und fegte den Kadaver gleichmütig in den Straßengraben „Müssen Farangs eigentlich immer Stress wegen nichts machen“, mag sie gedacht haben.

Während meiner 9. Thailandreise sah ich meine erste Schlange in freier Wildbahn: Nur ein Strich, der vor meinem Moped über die Straße huschte. Wenige Tage sah ich dann gleich die zweite. Das Tier wand sich vor Schmerzen halb überfahren auf der Hauptstraße von Khao Lak. Fast hätte ich das arme Geschöpf mit einem Tritt auf den Kopf von seinem Leiden erlöst. Jedoch traute ich mich nicht. Die Schlange hätte sich mit einem letzten Giftbiss in meine Ferse bedanken können. Die Sterbehilfe erledigte etwas später ein gnädiger Toyota.

Sicherheitstipps zu Schlangen

Höchstwahrscheinlich triffst nicht in Thailand auf eine Schlange, aber wenn…

  • Wer eine Schlange trifft, sollte sich möglichst ruhig zurück ziehen (Hektik könnte das Tier provozieren). – Und der Schlange Raum zum Rückzug lassen.
  • Nicht den Helden spielen!
  • Abends genau auf die Straßen schauen: Schlangen kriechen nach Sonnenuntergang gerne auf den heissen Asphalt, um sich zu wärmen (daher findest du auch so viele Schlangenkadaver in Thailändischen Straßengräben; Autos sind die gefährlichsten Feinde der Tiere). – Taschenlampen sind sehr nützlich!
  • Fest auftreten, damit die Tiere die Erschütterungen spüren und sich zurück ziehen können.
  • Wanderungen durchs Gelände grundsätzlich vermeiden.
  • Auf unvermeidlichen Wanderungen durchs Gelände hohe Schuhe und lange Hosen tragen.
  • Vorsicht bei Klettertouren: Schlangen sonnen sich gerne in und auf Felsen.
  • Bevor du dich in Thailand irgendwo im Gelände (oder auch nur im Garten) hinsetzt oder legts, klopfe den Boden ab und schau in das Buschwerk. Wer unbedingt draussen übernachten will, liegt am sichersten in einer Hängematte.
  • Steine oder Holzstücke vorsichtig aufheben.
  • Keine Rucksäcke oder Schuhe im Gelände einfach hinlegen. Nicht nur Schlangen, auch unangenehme Insekten können hineinkriechen. – Besser an einem Ast o.ä. aufhängen!

Ich selbst hatte einen üble Schlangenphobie, die inzwischen einem entspannten Respekt gewichen ist.  Ein verantwortungsvoller Terrariumsbesitzer hatte mir vor Jahren seine Tiere gezeigt und eine ungiftige Schlange in die Hand gelegt. Das Tier fühlte sich überraschend warm, fest und angenehm an. Ich sehe Schlangen nun eher als Tiere denn als Monster. Dennoch bin ich froh, wenn ich in Thailand und andernorts keiner begegne. Ich glaube, gute Freunde werden wir nicht.

2 thoughts on “Schlangen in Thailand

  • 5. Februar 2017 bei 8:00
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    Ich lebe auf einer Farm in Nordthailand und habe regelmäßig Kontakt zu Schlangen. Ich kann das oben geschriebene nur bestätigen.
    Wenn meine zwei Hunde eine Schlange stellen, dann beschütze ich die Schlange. Ich befördere sie mit einer langen Bambusstange so, dass sie sich verstecken kann.
    Auf unserer Farm wird keine Schlange getötet.

  • 21. Februar 2017 bei 16:20
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    Mich hatte vor 2 Wochen in Ko Samui eine Wasserschlange gebissen. Ich lief bei Sonnenuntergang dem Strand entlang so halb im Wasser. Da stach mich plötzlich etwas in die Ferse. Es schmerzte 1/2 Tag grausam.
    Ich ging dort nicht zum Arzt. Die Stelle ist noch leicht enzündet. Ich frage mich ob ich noch zum Arzt gehen soll in der Schweiz.
    Wäre ein Bluttest eine Sicherheit? Ich hatte keine Nebenerscheinungen bis jetzt.

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