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Das erste Mal in Thailand

Supertipps für Thailand-Anfänger. - Und was sie taugen. Thaiminator testet gute Ratschläge.

Buddha

Reisetagebuch: Der erste Augenblick in Thailand, Bangkok Flughafen, Anno Domini 1996: "Den leichten Schritt aus der klimatisierten Druckkabine der 747 stoppt unvermittelt eine unsichtbare Mauer aus gestapelter, dicker Luft. Ich reiße eine Handvoll heraus, zerreibe sie prüfend zwischen meinen Fingern. Warmes Wasser ist ebenso deutlich fühlbar wie winzige schwarze Partikel verbrannten Kerosins, Benzins, Diesels, ebenso Ozon in kritischer Konzentration. Dass sich das schwere und dreckige Zeug, das sich vor mir auftürmt, durchschreiten, geschweige denn atmen lässt, bezweifele ich sehr. Meinen Vorgängern gelingt es offenbar. Ich bin jung und stark (rede ich mir wenigstens ein), - also rein. Ich schaffe es bis zum Bus auf dem Rollfeld; jeder Atemzug strengt an."

1. "Zieh dich warm an!"

Tipp von Mutter: "Sogar auf Mallorca wird es manchmal wirklich frisch. Dann bist du froh, wenn du was Warmes dabei hast. Das wird in Thailand auch nicht anders sein."

Thaiminator meint: Mancher denkt, nach zwei Wochen Mallorca im Sommer alles zum Thema Hitze zu wissen. Heißer kann es nicht werden? Doch: In den Tropen ist es heißer. Viel heißer.

In jede Ritze und in jeden Winkel Thailands ist die drückende, tropische Hitze schon vor Jahrhunderten gekrochen und und sie lauert auf ahnungslose Greenhorns aus dem Westen, die glauben, der Thaiminator würde übertreiben.

Greenhorns erkennst du auf Thailändischen Airports an dicken Boots und Jack-Wolfskin-Fleecejacken. Panisch versuchen sie die dort schnell los zu werden.
Wer etwa in Deutschland umhüllt von plüschiger Wintermode ein Flugzeug besteigt und in Bangkok oder Phuket damit aussteigt, über den fällt die Hitze gnadenlos her.

Profis sorgen dafür, dass sie ein Flugzeug in Thailand nur dünn bekleidet und mit Sandalen verlassen.

Überhaupt brauchst du dschungeltaugliches Survivaloutfit nur, wenn du wirklich mehrere Tage durch Dschungel trekken willst. Aber auf jeden Fall brauchst du hitzefeste Kleidung.

Zudem knallt die Sonne mit höchster Brennstufe vom Firmament. Sonnenbrille und langärmelige (dennoch dünne) Sachen schützen die Haut vor Verbrennungen.

2. Von Anfang an cooler wohnen...

Erfahrene Traveller empfehlen: "Touristenviertel sind enorm uncool. Wer auf sich hält, übernachtet woanders. Der ultimative Geheimtipp ist ein Laden in einem Bangkoker Vorort mit unaussprechlichem Namen, an der einen Road mit unaussprechlichem Namen, Ecke andere Road mit unaussprechlichem Namen. Da fahre hin!"

Thaiminator meint: Auch wenn die Geheimtipps noch so cool sind: bist du sicher, die zu finden, - in einer 12-Millionen-Metropole, in der auch Taxifahrer allenfalls 10% aller Straßen kennen?

Die Bangkoker Touristenecken an Sukhumvit- und Khao San Road kennt wirklich jeder und du kommst problemlos vom Flughafen hin. Und dort findest du garantiert ein Zimmer. Nicht immer im angesagtesten Haus, aber zuverlässig.

Zudem bekommst du in Tourvierteln alles, was dein Westlerherz (noch) begehrt. Von da aus kannst du dich in das "echte" Thailand vorantasten.

Falls du auf einer Insel, also Phuket oder Ko Samui ankommst, dann vertraue dich ruhig einem Schlepper an. Die lungern an allen Thailändischen Flughäfen herum und bringen dich zu einer Herberge. Die sind meist gut, aber überteuert. Suche am nächsten Tag ein besseres Zimmer, aber sei froh, nach einem Halben Tag im Flugzeug und in ungewohnt-absurder Hitze nicht mehr lange auf eigene Faust suchen zu müssen.

3. Klimaanlage (Air Condition, AC) !

Besserwisser raten: "Klimaanlagen sind Klimakiller. Zudem kosten Zimmer mit Klimaanlage 100 Baht mehr die Nacht. Und wer nicht völlig verweichlicht ist, kommt auch gut ohne eine solche Bakterienschleuder aus."

Thaiminator meint: Stimmt alles. Aber Jet-Lag, Kulturschock und die dank Economy-Class verbogenen Knochen befeuern das Unwohlsein anfangs zu genüge. Ich persönlich will mich dann nicht in einer stickigen Bude herumwälzen. Und viele billige Guesthousezimmer sind viel stickiger, als man sich das in Deutschland überhaupt vorstellen kann.

Zumindest in den ersten Tagen nehme ich stets ein wirklich gutes Zimmer. Wenn ich ich nach einigen Tagen eingelebt habe, steige ich eine Komfortstufe tiefer.

4. Lehrgeld ... lass dich bloß nicht bescheißen!

Bedauernswerte Betrugsopfer warnen: "An jeder Ecke warten hinterliste Thais darauf, dich zu ein paar Baht zu erleichtert. Schon beim "normalen" Einkauf musst du wie ein orientalischer Teppichhändler feilschen, um nicht betrogen zu werden."

Thaiminator meint: Thais erkennen Neuankömmlinge auf jeden Fall an ihrer hellen Haut.  Angeblich riechen sie auch die Ausdünstungen westlicher Ernährung, bis die nach einigen Tagen Reisdiät neutralisiert sind.

Vor allem für Gewerbetreibende sehr praktisch: Greenhorns sind im Handeln ungeübt und unerfahren zu zahlen eben mehr für Taxis, Tuk-Tuk oder Sonnenbrillen, als abgebrühte, erfahrene Traveller. Hat ein Händler ein besonders gutes Geschäft (mit dir!) gemacht, so streicht er hernach genüsslich mit den Geldscheinen, die er dir gerade abgeknöpft hat, über seine andere Handelsware. Damit beschwört er den Gott der Ökonomie, ihm noch mehr unerfahrene Deppen wie dich zu schicken.

Als Ökonomen mit Prädikatsexamen kann ich dazu nur sagen, dass ich auch laufend zu viel zahle und dass ich diese Geste mit meinen ehemaligen Geldscheinen ständig sehe. Thais trainieren das Feilschen seit früher Kindheit und sind in angewandter Ökonomie somit geschickter als wir. - 1 : 0 für Thailand.

Aber es geht hier eine Taxifahrt, für die ich 100 statt 80 Baht zahle, eine Sonnenbrille, die mich 2 Euro statt 1,50 Euro kostet und ein T-Shirt für 3,00 statt 2,50 Euro.  Oder anders: Es geht um 0,024 % meines Urlaubsbudgets, also um faktisch nichts.

Ich gönne den Thaihändlern ihren kleinen Triumph. Die stehen nämlich den ganzen Tag an ihrem Stand an einer stinkigen Bangkoker Straßenecke und verdienen am Tag etwas das, was ich für mein Abendessen zahle ("...vier große Garnelen und noch der Fisch für nur 250 Baht, du, das war ein fairer Preis...").

 

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Jürgen Scholz wünscht Gute Reise!